Coronavirus und die Olympischen Spiele

„Als Verantwortlicher bitte ich vielmals um Entschuldigung.“ Das sagte der Premierminister Japans Suga Yoshihida im Haushaltsausschuss des Unterhauses.
Er entschuldigt sich dafür, dass in Japan nicht alle am Coronavirus erkrankten Menschen sofort behandelt werden konnten.
Die Kapazitäten des Gesundheitssystems sind ausgeschöpft. Obwohl im weltweitem Vergleich die Zahlen der mit dem Coronavirus infizierten Menschen gering sind.
Im Hinblick auf die Olympischen Spiele wird jetzt davon ausgegangen, dass Teilnehmer*innen der Spiele und der Paralympischen Spiele im Falle einer Ansteckung nicht behandelt werden können.

Die Zustimmung in der Bevölkerung zu den Olympischen Spielen sinkt weiter. 60% der Bevölkerung lehnen die Spiele nun vollständig ab. Das Geld, welches dadurch gespart wird, soll lieber in das Gesundheitssystem gesteckt werden. Noch ist keine endgültige Entscheidung zur Austragung der Spiele gefallen. Der Fackellauf ist für den 25. März geplant.

Für Olympische und Paralympische Spiele in Tokyo 2020, die die Probleme und Gefahren des Atomunfalls von Fukushima nicht verschweigen, haben sich die Teilnehmer*innen einer deutsch-japanischen Konferenz ausgesprochen, die am 14. und 15. September 2019 in der Dortmunder „Auslandsgesellschaft.de“ stattfand. 

„Wer zu den Olympischen und Paralympischen Spielen nach Tokyo und Fukushima fährt, der muss wissen, dass er damit nichts zum Wiederaufbau in Fukushima und in Nordostjapan beiträgt. Im Gegenteil: Tokyo 2020 behindert einen notwendigen Wiederaufbau, der diesen Namen verdient“, erklärten die rund 50 Teilnehmer*innen der Tagung, darunter Vertreter*innen von Umwelt- und Ärzteorganisationen, Anti-Atom Initiativen, Wissenschaft und Pädagogik. 

Einhellig kritisierten sie die Rückführungspolitik der japanischen Regierung in vormals evakuierte Gebiete in Reichweite zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi auf Basis einer äußerst problematischen Grenzwerterhöhung für zu tolerierende zusätzliche Strahlungsexposition von vormals 1 Millisievert auf 20 Millisievert pro Jahr. 

„Dass der olympische Fackellauf am 26. März 2020 ausgerechnet in diesen repatriierten Gebieten in der Präfektur Fukushima gestartet wird, zeigt, dass Tokyo 2020 nicht auf Seiten der Betroffenen der Atomkatastrophe und der noch immer auf der Flucht befindlichen mehr als 40.000 Menschen steht, sondern auf Seiten eines politischen Systems, das weiter auf Atomkraft setzt und alles tut, um die Fukushima-Katastrophe als beherrschbar und bereits überwunden darzustellen“, hieß es. Die Medien wurden dazu aufgefordert, in ihrer Berichterstattung zu Tokyo 2020 die Betroffenen der Atomkatastrophe gebührend zu Wort kommen zu lassen. 

Besorgt zeigte sich die Konferenz über sich häufende Berichte, wonach sich in Japan nationalistische Tendenzen auch im Zeichen von Tokyo 2020 deutlich verstärkt hätten und wonach demokratische Grundrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit in diesem zunehmend nationalistischen Klima eingeschränkt würden. Es sei kein Zufall, dass Japan zuletzt im Ranking der „Reporter ohne Grenzen“ in wenigen Jahren von Platz 11 auf 72 und aktuell Platz 67 abgestürzt sei. Auch gesellschaftliche Prozesse, die mit der Ausrichtung von sportlichen Mega-Events einhergehen, seien für diesen Niedergang der demokratischen Kultur verantwortlich, so die Teilnehmer*innen. 

Zu der Tagung hatte die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Nordrhein-Westfalen eingeladen.